Online Trading lernen

5 gute Gründe warum du nicht Online Trader werden solltest

Im Folgenden liste ich ein paar gute Gründe auf, aus denen du NICHT Trader werden solltest. Zugegeben, einige dieser Gründe hören sich sehr weit hergeholt an. Ich habe sie auch absichtlich etwas überspitzt formuliert. Aber: Jede Aussage habe ich bereits in dieser, oder sehr ähnlicher Form beim Besuch von Einführungsveranstaltungen für Trader, auf Tradingmessen, oder in Internetforen mitbekommen.

Insofern soll dich der Artikel einfach dazu anregen, über deine Motive nachzudenken und ehrlich zu ergründen, warum du Trading lernen möchtest.

Grund 1: Ich möchte meine Altersvorsorge aufbessern

„Ich möchte meine Altersvorsorge vorantreiben, und sichere Geldanlagen bringen mir im Moment einfach nicht ausreichend Rendite.“

Diese Begründung, um Trader werden zu wollen, ist eigentlich gar nicht so verkehrt: Die Zinsen auf Tagesgeld und Festgelder sinken im Moment immer weiter und tragen so nicht zu einem guten Gefühl bei seiner privaten Altersvorsorge bei.

Die Frage ist, ob „Trading“ in dem Sinne, wie der Trader es versteht, wirklich für eine bedarfsgerechte Altersvorsorge geeignet ist.

Trading bedeutet hier das aktive Handeln von Wertpapieren oder Derivaten in der kurzen und mittleren Frist. Tendenziell ist die Anzahl der Trader, die mit aktivem Trading dauerhaft erfolgreich sind, sehr gering. Man sagt, 95% aller Trader scheitern früher oder später. Scheitern heißt in diesem Zusammenhang, dass sie aufgrund ihrer nicht mehr erträglichen Verluste aufgeben, oder dass sie bereits pleite sind.

Altersvorsorge bedeutet, dass ich mit bestimmten Geldbeträgen zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr oder weniger fest rechnen möchte (muss?). Hierein fließt unter Umständen ein beträchtlicher Anteil des eigenen Geldes oder Vermögens. Ob hier „aktives“ Trading das sinnvolle Mittel der Wahl ist, ist allein aufgrund der hohen Ausfallquote eben sehr fraglich. Trading sollte ausschließlich mit Geld betrieben werden, das zusätzlich, also nach den Einzahlungen in eine eventuelle Altersvorsorge und in alle anderen lebenswichtigen Bereiche, zur Verfügung steht.

Dies bedeutet keinesfalls, dass Aktien – und gern auch gewisse Anteile an Derivaten – nicht in ein Altersvorsorgedepot passen. Im Gegenteil, verlässt man sich nur auf Tagesgeld und festverzinsliche Wertpapiere, so bleibt das Vermögen im Alter wohl eher rein Wunschtraum. Es kommt nur auf die Umsetzung an.

Was also tun? Neben dem aktiven Traden gibt es ja auch noch die Möglichkeit der passiven Geldanlage. Hier wird ein weit gestreutes Portfolio verwendet, das aus Aktien, Anleihen, gern auch Rohstoffen und Immobilien, besteht und das daraufhin ausgerichtet ist, langfristig Erträge zu erwirtschaften. Das Risiko wird hier durch Streuung reduziert, die Transaktionskosten werden minimiert, der Pflegeaufwand ist sehr gering. Ein solcher Ansatz unterscheidet sich signifikant vom aktiven Trading und ist für die Anforderungen einer Altersvorsorge deutlich besser gerüstet, als das aktive Trading.




Grund 2: Ich habe im Fernsehen eine Werbung über binäre Optionen oder CFDs gesehen und möchte auch so gut verdienen

„Ich möchte gern binäre Optionen und CFDs handeln, denn hier kann ich offenbar schnell sehr viel Gewinn erwirtschaften.“

Es gibt inzwischen immer mehr neue Anbieter von Binären Optionen und ähnlichen Konstruktionen. Diese alle sind meiner Meinung nach nicht für dauerhaft erfolgreiches Trading geeignet, sondern können eher als Alternative zum klassischen Glücksspiel angesehen werden. Warum das so ist, kann man sich schnell ausrechnen, wenn man sich einmal die verfügbaren Konditionen anschaut. Ich vermute – aber das ist ja nur meine ganz persönliche Meinung – dass es nicht einen einzigen Trader auf der Welt gibt, der mit binären Optionen langfristig Geld verdient.

Aber ich lasse mich sehr gern vom Gegenteil überzeugen.

Beim CFD-Handel gibt es viele renommierte Anbieter, die mit ihren Konditionen langfristig erfolgversprechendes Trading erlauben. CFDs kann man insofern gut zum Shorten von Aktien nutzen, oder um einen Hebel auf sein Kapital zu anzuwenden, wenn man meint, dies tun zu müssen.

Aber zurück zu Grund Nr. 2: Auch wenn ein Anbieter in seiner Werbung verspricht, dass man so einfach und so schnell Geld verdienen kann, so heißt das nicht, dass ich loslegen und Geld produzieren kann. Wäre es so einfach, wären alle Menschen Millionäre.

Trading bedeutet harte Arbeit und langes Lernen. Trading ist ein Handwerk. Es ist kein Glücksspiel. Die Spreu vom Weizen trennt sich sehr schnell. Möchte man zu dem Teil der Trader zählen, der nicht vom Markt weggefegt wird, so muss man bereit sein, die Ärmel hochzukrempeln und sich in das spannende und herausfordernde Abenteuer Trading hineinzustürzen. Das geht aber nicht von heute auf morgen, sondern erfordert viel lesen, probieren, verwerfen und erneut probieren. Und auch durchhalten.

Grund 3: Ich verliere im Casino immer Geld und habe gehört, an der Börse geht es fairer zu

„Im Casino verliere ich immer viel mehr Geld, als ich verdiene. Ich finde das unfair. An der Börse kann ich Geld viel fairer und sicherer verdienen.“

Nun, dann wird sich das als Trader für dich vermutlich nicht ändern. Das Trading an den Börsenmärkten mit dem Glücksspiel im Casino zu vergleichen, ist völlig daneben. Wenn du bereit bist, Trading korrekt und richtig zu erlernen, so wirst du schnell erkennen, dass dieses sich deutlich von Glücksspiel unterscheidet. Es geht noch immer um Wahrscheinlichkeiten, aber nie um Glück oder Pech.

Wenn du mit der Einstellung Traden möchtest, eine „fairere“ Alternative zum Spiel gefunden zu haben, dann überlege besser, dein Geld auf ein Tagesgeldkonto zu packen, oder investiere in ein passives Anlagedepot. Denn dann wirst du nie die Disziplin aufbringen, die für einen Trader so wichtig für den Erfolg ist. Du wirst immer „spielen“ und „dein Glück versuchen“ wollen, wenn es um einen Trade geht und dir nicht die Mühe machen, eine ordentliche und fundierte Tradingstrategie zu entwickeln. Diese aber brauchst du zwingend, wenn du langfristig erfolgreich traden möchtest.

Grund 4: Ich brauche dringend (setze ein: Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Taschengeld)

„Ich fahre nächsten Monat in meinen wohlverdienten Urlaub und möchte gern noch etwas Taschengeld dafür verdienen.“

Wenn du kurzfristig Urlaubsgeld benötigst, dann such dir einen Nebenjob. Denn Trading ist dafür nicht geeignet. Es sei denn, du handelst bereits eine ganze Weile erfolgreich an den Märkten.

Ein Freund, der sich noch nie mit Aktienhandel beschäftigt hatte, fragte mich vor einiger Zeit, ob er die gerade so stark eingebrochenen VW Aktien nicht jetzt kaufen sollte, um schnell etwas Geld zu verdienen. Meine Antwort: Tu es nicht! Nur weil VW massiv eingebrochen war, bedeutet das nicht, dass es nicht noch viel weiter nach unten gehen kann.

Klar, man hätte vielleicht an einer Korrektur der Abwärtsbewegung verdienen können. Aber man hätte auch verlieren können!

Für solche Aktionen ist die Börse und sind die Märkte nicht geeignet. Dafür ist das Verlustrisiko viel zu groß. Auch eine komplexe, professionelle und mit Disziplin und Ausdauer umgesetzte Tradingstrategie weist Verluste auf. Aber langfristig, das heißt bei Betrachtung vieler, vieler Trades, die mit ihr generiert wurden, verdient sie mehr Geld, als sie verliert. Der Trader ist damit profitabel. Dies ist mit einem Schnellschuss, wie im Falle der VW Aktien nicht zu erreichen.




Grund 5: Ich habe grundsätzlich viel zu wenig Geld und brauche dringend einen Zusatzverdienst

„Ich habe einfach nicht genug Geld, um anständig zu leben. Mit Trading möchte ich mit wenig Zeitaufwand etwas dazuverdienen.“

Dieser Grund, um aktiv Trading betreiben, oder überhaupt sein Geld Verlustrisiken auszusetzen, ist gelinde gesagt sehr gefährlich. Mit Geldbeträgen zu traden, die man sich nicht leisten kann, weil es sich um die ohnehin knappen Rücklagen handelt, die man für Notfälle benötigt, oder die in eine (sichere) Altersvorsorge investiert werden könnten, kann einen in den Ruin führen. Und nicht nur einen selbst, sondern auch seine Familie, wenn man es richtig anstellst! Tu so etwas bitte auf keinen Fall!

An dieser Stelle ist Ehrlichkeit sich selbst gegenüber sehr wichtig. Kannst du dir Trading im Moment nicht leisten, so akzeptiere dies. Denn deine finanzielle Situation kannst du damit auf keinen Fall verbessern. Trading geht immer mit Verlusten einher, es gibt keine Tradingstrategie, die nur Gewinne produziert. Selbst, wenn du eine super profitable Tradingstrategie haben solltest (was wahrscheinlich zu Beginn nicht der Fall ist), wirst du Verlustphasen haben, die du durchhalten können musst. Kannst du das nicht, so bist du raus aus dem Geschäft, und dein Geld ist weg. Keine Bank und kein Broker wird dir anbieten, dir deine Einlagen zurückzugeben, weil du so ein netter Mensch bist. Bitte sei dir dessen bewusst.

Was kannst du tun, wenn du mehr Geld benötigst? Sei konservativ, kürze deine Ausgaben, besorg dir einen Nebenjob. Spare alles Geld, was du irgendwie übrig hast und lege es sicher in Tagesgeld, oder andere risikolose Geldanlagen an. Lass dich von deiner Bank beraten (aber lass dir nichts aufschwatzen). Hast du nebenbei Zeit, so erlerne Trading gern und übe mittels Paper Trading, wo du keine echten Trades durchführst. Mit dem Livehandel starten kannst du jederzeit. Aber schau, dass du dies nur mit Geld machst, das du wirklich übrig hast und nicht woanders sinnvoller gebrauchen kannst.

Fazit

Es gibt viele gute Gründe, KEIN Online Trader zu werden. Einige davon habe ich – etwas überspitzt – hier dargelegt. Einige sind fast trivial, andere können für die eigene Situation schwierig oder sogar gefährlich werden. Wichtig ist, dass du dir über deine persönlichen Gründe klar wirst, warum du Trader werden möchtest, und dass du dir der Konsequenzen bewusst bist. Wenn dir dieser Artikel ein wenig bei der Bewusstmachung hilft, dann ist sein Ziel erreicht.

Happy Trading!