Teil 4: Ein Handelssystem für Aktien entwickeln

In den vorhergehenden Teilen des Aktien Einsteigerkurses habe ich die Grundlagen des Handels mit Aktien kurz erläutert: Was ist eine Aktie, wie kann ich sie überhaupt kaufen und verkaufen? Eine wichtige Frage – vielleicht die wichtigste – ist jedoch offen: Wie starte ich nun konkret mit dem Aktienhandel?

Eine Tradingstrategie formulieren

Bevor du deine erste Aktie kaufst und in die Aktienmärkte investierst, musst du einen klar umrissenen Trading- oder Investmentplan haben. Hier reicht es nicht, sich grob Gedanken zu machen. Besitzt du keine übergeordnete Strategie, die dir vorgibt, wann du welche Aktien zu welchem Preis zu kaufen oder zu verkaufen hast, wird dich der Aktienmarkt mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell mit Verlusten herauskegeln. Trotzdem besitzt der Großteil der Aktienanleger und Aktientrader keinen Tradingplan, der klar umrissen und schriftlich fixiert ist.




Warum ist das so? Vermutlich, weil sich viele Trader von ihren Emotionen leiten lassen. Angst und Gier bestimmen ihr Anlageverhalten, nicht eine sorgfältig entworfene Strategie. Oder aber, weil sie der Meinung sind, sie benötigen keinen schriftlichen Plan, denn sie haben alles, was relevant ist, im Kopf. Emotionen und nicht exakt formulierte Regelwerke aber führen zu Tradingfehlern: Die konsistente und konsequente Anwendung der „Tradingstrategie“ ist nicht möglich. Tradingfehler kosten immer Geld. Verluste im Trading gehören immer mit dazu. Sie sind Bestandteil einer jeden erfolgreichen Tradingstrategie. Aber Tradingfehler, die aus der falschen Anwendung der Strategie resultieren, kosten Geld, das nicht Bestandteil der Strategie ist.

Wie kann man einen Tradingplan erstellen? Das geht eigentlich ganz einfach: Als erstes müssen konkrete Regeln für den Kauf und Verkauf von Aktien festgelegt werden. Sie beinhaltet, dass man sich über die Einstiege und Ausstiege Gedanken macht. Hierzu bietet es sich an, das gewählte Regelset mit Vergangenheitsdaten zu testen. Das geht am besten mit einer Backtestingsoftware. Ich verwende Amibroker. Eine kostenlose Software ist etwa Prorealtime.

Wer keine Software nutzen möchte, muss sich die Arbeit machen und seine Strategie von Hand mit Vergangenheitsdaten überprüfen. Auch das geht, erfordert aber im Allgemeinen mehr Zeiteinsatz.

[zilla_alert style=“green“]Tipp: Bei Prorealtime kannst du dich kostenlos anmelden und dann eigene Tradingstrategien entwickeln und testen.

Ansehen lohnt sich für jeden, der Trading ernsthaft betreiben möchte. Man kann kostenpflichtige Kursdatenpakete und weitere Funktionen abonnieren, muss dies aber nicht.[/zilla_alert]

Die Idee hinter dem Testing: Regeln, die in der Vergangenheit gut performt haben, funktionieren wahrscheinlich auch noch eine Weile weiter. „Wahrscheinlich“ bedeutet, dass man nicht genau weiß, dass die Strategie weiterhin funktionieren wird, sondern dass es nur aufgrund von Statistik mit einer etwas erhöhten Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann. Nicht umsonst findet man in jedem Fonds-Verkaufsprospekt den Satz „Aufgrund der Vergangenheitsperformance kann nicht auf die zukünftige Entwicklung geschlossen werden.“ Dies bitte nie vergessen! Im Trading spricht man immer nur von Wahrscheinlichkeiten.

Was das Testing nicht betrachtet

Du hast mittels Testing einige Einstiegs- und Ausstiegssignale gefunden, die deiner Ansicht nach sehr erfolgversprechend sind. So weit, so gut. Du musst dir allerdings noch weitere Gedanken machen. Du musst festlegen, wie viel Geld du je Aktie oder je Trade riskieren willst, und wie viele Trades du zeitgleich halten willst. Hast du nur eine einzige Aktienposition, so entspricht dein Risiko dem Betrag, den du bereit bist, zu verlieren, wenn diese Aktie abstürzt. Hältst du mehrere Aktienpositionen zur gleichen Zeit, so vervielfacht sich das Risiko eventuell.

Das Risiko, Verluste zu machen, gehört in jeder Tradingstrategie mit dazu. Es gibt keine Strategie, die nie Verluste produziert. Aufgabe ist es, mehr Geld zu verdienen, als zu verlieren.

Den richtigen Zeitrahmen finden

Ein besonderes Thema ist das Thema Zeitrahmen: Möchtest du als Daytrader mit dem 5-Minuten Chart handeln? Oder lieber mit End-of-day Daten (Tagesenddaten)? Du könntest auch entscheiden, auf Wochen- oder sogar auf Monatsbasis Aktien zu handeln. Die Wahl des Zeitrahmens hat einen sehr starken EInfluss auf die benötigte Zeit, die du deinem Trading widmen musst.

Mehr lesen zum Thema Zeitaufwand im Trading

Wenn du eine vielversprechende Tradingstrategie für Daytrading entwickelt hast, aber einen Vollzeitjob hast, dann bekommst du unter Umständen Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

Klein beginnen und dann ausbauen

Das Testen mit Vergangenheitsdaten ist eine Sache. Bevor du mit dem Live-Trading von Aktien startest, mach dir Gedanken, wie du deine Tradingstrategie mit möglichst geringen Risiken live testen kannst. Du weißt ja nicht, dass deine Strategie auch im Livebetrieb funktioniert.

Du könntest als erstes Papertrading durchführen. Die Trades führst du hierzu nicht wirklich durch, sondern nur auf Papier. So erhältst du ein Gefühl dafür, wie und wie gut deine Tradingstrategie zu handeln ist. Du kannst ausprobieren, ob du ausreichend Zeit für das Trading in deinen Tagesablauf einbringen kannst, oder ob nicht. Vergiss nicht, Transaktionsgebühren mit einzurechnen, die du im Livetrading zahlen musst. Schau dir die Gebühren bei deinem Broker an und finde heraus, ob du auch inklusive der Gebühren profitabel handeln kannst.

Eine andere Möglichkeit ist, mit nur sehr kleinen Geldbeträgen live zu starten. Hier schlagen die Transaktionsgebühren natürlich deutlich zu Buche. Aber auch so kannst du deine Strategie ausprobieren. Wenn du sicherer bist, dass du alles richtig gemacht hast, kannst du deine Positionsgrößen dann erhöhen.

Erst die Hausaufgaben machen, dann mehr riskieren

Nimm dir einfach einen gewissen Zeitraum, 3 Wochen, 3 Monate oder länger, Zeit, und werte anschließend (oder zwischendurch) deine Ergebnisse aus. So wirst du sicherer. Du solltest mindestens 20 Trades oder Papertrades absolviert haben, bevor du den nächsten Schritt machst, oder sehr kleine Positionsgrößen nutzen.

Während dieser Testphase wirst du eine Menge lernen, auch über dich selbst und dein Verhalten in Stressphasen: Du wirst Erfolge haben und euphorisch sein, du wirst Verluste haben. Du wirst Gewinne schnell absichern und Verluste aussitzen wollen. Du wirst nicht wissen, ob du eine Position im Verlust wirklich nicht halten sollst, weil sie ja wieder drehen könnte. In solchen Zeiten erinnere dich an die Tipps vom Artikelbeginn: Handle deine Strategie konsistent und konsequent. Wenn du das nicht kannst, wirst du nicht erfolgreich traden können.

Hast du diese Erfahrungen gemeistert, bist du schon einen großen Schritt weiter zum erfolgreichen Trader.