Trading Strategien

Tradingstrategie Beispiel: Ein einfaches Trendfolgesystem mit gleitenden Durchschnitten

Trendfolgesysteme mit gleitenden Durchschnitten haben vielen erfolgreichen Tradern in der Vergangenheit sehr viel Geld eingebracht. Richard Donchian und Ed Seykota etwa nutzten solche Systeme bereits in den 60er und 70er Jahren für das Trading von Rohstoff-Futures. Auch, wenn solche einfachen Tradingsysteme heutzutage nicht mehr ohne weiteres erfolgreiche gehandelt werden können, eignen sie sich gut, um systematisches Trading zu erlernen.

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Im Folgenden wird ein solches Tradingsystem vorgestellt. Es wird erläutert, wie das System zusammengestellt ist und welche Performance es im Backtest rückwirkend erbracht hätte. Vorab eine wichtige Information:

Achtung: Das folgende Tradingsystem wird ausschließlich zu Übungszwecken vorgestellt und stellt keinesfalls eine Aufforderung dar, es nachzuhandeln!




Beispiel für systematisches Trading mit gleitenden Durchschnitten

Das nachfolgende Tradingsystem ist ein sogenanntes mechanisches Handelssystem. Es besteht aus Regeln, die für jede auftretende Situation im Trading konkrete Anweisungen liefert, wie zu reagieren ist. Dies bedeutet, dass rein nach den Signalen gehandelt wird, die das System liefert. Der große Vorteil von mechanischen Tradingsystemen: Es gibt – zumindest in der Theorie – keine Emotionen. Gibt das System ein Kauf-Signal aus, so wird gekauft, zeigt es ein Verkaufs-Signal, so wird verkauft. Auch wenn der Verkauf mit einem Verlust endet. Ohne zu denken, ohne zu bewerten, ohne Gier und ohne Angst.

Das Tradingsystem im Detail:

Das nachfolgende Video zeigt das Handelssystem im Detail. Für die Programmierung wird die Backtesting-Software Amibroker genutzt, die ich selbst auch nutze, um neue Systeme zu entwerfen, sowie um meine Systeme live zu handeln. Die Prgrammierung ist an dieser Stelle jedoch nebensächlich, es geht um das Tradingsystem mit gleitenden Durchschnitten, dass hier entwickelt wird. Zusammengestellt hat das Video Dave McLachlan von ASX Market Watch. Leider in englisch, aber Erläuterungen gibts weiter unten von mir in deutsch.

Alle Bestandteile des Tradingsystems vorgestellt:

Das vorgestellte System ist sehr einfach zusammengestellt und bringt dafür im Backtest ein recht erstaunliches Ergebnis. Hier die Handels Signale bzw. die Regeln:

Einstieg:

Es werden nur Longpositionen eröffnet, keine Shortpositionen. Basis des Tradingsystems sind zwei einfache gleitende Durchschnitte (SMA): Kreuzt der SMA(61) den SMA(93) von unten nach oben, so eröffnet der Trader am nächsten Handelstag eine Longposition als Market-Order. Das ist auch schon alles.

Ausstieg:

Der Ausstieg erfolgt, wenn der SMA(61) den SMA(93) von oben nach unten durchkreuzt. Tritt dieses Signal auf, so schließt der Trader die offene Position zum nächsten Handelstag.

Stopp-Loss:

Natürlich gibt es einen Stopp-Loss, der dafür sorgt, dass Verluste begrenzt werden und ein Trade beendet wird, wenn er zu stark ins Minus läuft. Der Stopp-Loss liegt bei 10% unterhalb des Einstiegskurses. Fällt der Kurs nach einem Einstieg also um 10% oder mehr, so wird der Trade sofort (intraday) geschlossen. Dies geht automatisch, sofern eine Stopp-Loss Order in den Markt gelegt wird.

Das Tradingsystem im Backtest:

Dieses einfache Handelssystem wird nun in einem Backtest getestet. Der Backtest prüft sozusagen die Performance der Handelsregeln mit Vergangenheitsdaten. Natürlich kann man von der Vergangenheit nicht auf eine positive Entwicklung in der Zukunft schließen. Aber mit genügend hohen Tradezahlen erlangt man doch eine gewisse statistische Sicherheit, wenn die Performance in der Vergangenheit positiv war.

Getestet wurde das System mit den Vergangenheitsdaten von 2000 bis 2013 und mit den Aktien des australischen ASX Top 200 Aktienindex. Es wurde ein Anfangskapital von 50.000 AUD eingestellt, es werden maximal 5 Trades zur selben Zeit eingegangen und immer 20% des verfügbaren Kapitals je Trade eingesetzt.

Die Performance des Tradingsystems:

Welche Performance brachte das vorgestellte Tradingsystem denn nun? Nachfolgend die Details:

  • Performance insgesamt: 6681%
  • Jährliche Performance im Durchschnitt: 28%
  • Maximaler Drawdown: 36%
  • Trefferquote: 41%
  • Durchschnittlicher Gewinn der Gewinntrades: 42%
  • Durchschnittlicher Verlust der Verlusttrades: 8%
  • Exposure: 91%

Trading mit gleitenden Durchschnitten: Das Ergebnis

Es handelt sich um ein reinrassiges Trendfolgesystem. Die Performance von 28% im Jahr sieht wirklich sehr beeindruckend aus, vor allem, wenn man bedenkt, wie simpel das Tradingsystem aus zwei sich kreuzenden gleitenden Durchschnitten aufgebaut ist. Der maximale Drawdown, der größte aufgetretene Rückschlag im Tradingkonto also, beträgt 36%. Der Drawdown trat (eigentlich erwartungsgemäß) in der Finanzkrise 2008 auf. 36% sind recht hoch und für einen Trader schon ziemlich schwierig zu ertragen. Doch hier muss er durch, denn nach 2008 ging es mit der Performance wieder schwer nach oben. Einen zweiten, kleineren Drawdown gab es 2011. Auch hier lag zwischenzeitlich ein Bärenmarkt vor, der Trendfolgesystemen, die nur Long gehen und keine Shortpositionen nutzen, meist schwer zu schaffen macht.

Die Trefferquote von 41% ist ein guter Wert für ein Trendfolgesystem. 4 von 10 Trades landeten also im Gewinn, der ganze Rest im Verlust. Der durchschnittliche Verlust betrug 8%,der durchschnittliche Gewinn 42%. Auch das ist typisch für ein Trendfolgesystem: Viele kleine Verlusttrades und wenige, dafür aber große Gewinntrades. Die Exposure gibt an, wie stark das Tradingsystem investiert ist. 91% sind ein sehr hoher Wert. In ganzen 91% der verfügbaren Zeit waren Trades aktiv. Selbst in Bärenphasen wurden immer Einstiegssignale gefunden, die gehandelt werden konnten.




Welche Verbesserungen sind möglich?

Insgesamt ist es erstaunlich, welche Performance ein so einfaches Trendfolgesystem selbst heutzutage noch einbringen kann. An der Performance ist insofern nichts auszusetzen. Der maximale Drawdown, der in Bärenmärkten auftrat, ist jedoch recht hoch. Was also könnte man verbessern?

Zu vermeiden ist auf jeden Fall das sogenannte Curve fitting. Hiervon spricht man, wenn man Parameter eines Tradingsystems solange an einen Backtest anpasst, bis die Performancewerte wie gewünscht aussehen: Ich passe mein Tradingsystem an die Testdaten an. Dies ist fatal, denn ein solches System wird vermutlich in der Zukunft versagen.

Was man machen könnte, wäre aber zu versuchen, Bärenmärkte auszulassen. Wird ein Bärenmarkt festgestellt, so werden keine Trades eingegangen. Hierzu eignet sich eventuell ein Trendfilter, der den langfristigen Trend misst. Liegt ein langfristiger Aufwärtstrend vor, so werden Trades erlaubt, liegt ein Abwärtstrend vor, so werden Trades verboten.

Die Positionsgröße ist mit 20% des verfügbaren Kapitals je Position natürlich sehr groß. Zu Beginn wären dies ganze 10.000 AUD je Position. Bei einem Stopp-Loss von 10% verliert der Trader also im Verlustfall 1000 AUD, was 2% des Tradingkontos entspricht. Hier könnte man gegebenenfalls auf die Hälfte reduzieren, so dass maximal 1% des Tradingkapitals je Trade riskiert werden.

Fazit:

Das vorgestellte Trendfolgesystem auf der Basis von gleitenden Durchschnitten zeigt gut, wie einfach und unkompliziert ein profitables Tradingsystem aufgebaut sein kann.

Aber: Auch wenn der Backtest recht gut aussieht, sollte ein solches Tradingsystem nicht ohne eigene Tests und Überprüfungen live nachgehandelt werden. Deshalb ist das vorgestellte System hier nur zu Übungszwecken gedacht, das einen Anhalt für die eigene Entwicklungsarbeit geben soll.