Online Trading lernen

Wie viel Zeit muss ich in erfolgreiches Trading investieren?

Oder anders: Wie viel Arbeit ist Trading wirklich? Und habe ich überhaupt ausreichend Zeit, um Trading ernsthaft zu betreiben? Jeder der Online Trading lernen und umsetzen möchte, sollte sich mit diesen wichtigen Fragen beschäftigen. Der erforderliche Zeitaufwand ist sehr stark abhängig von der Art des Tradings.

Warum ist das Thema wichtig?

Praktisch jeder ist heute kontinuierlich unter Stress. Unzählige Aufgaben wollen unter einen Hut gebracht werden. Jeder Rolle will man gerecht werden. Beruf, Familie, Freunde, Hobbies, jeder Bereich stellt eigene Anforderungen und nimmt sich seinen Anteil an der zur Verfügung stehenden Zeit.

Ob als Hobby, oder als echtes Business betrieben, auch für Trading muss man ausreichend Zeit aufbringen, wenn man es ernsthaft (und erfolgreich) betreiben möchte. Wieviel Zeit erforderlich ist und welche Faktoren in die Rechnung eingehen müssen, wird im Folgenden erläutert.




Zeitaufwand beim Trading: Was muss ich alles unterbringen?

Angenommen, das Tradingsystem ist komplett bekannt, entwickelt und getestet und soll nun dauerhaft umgesetzt werden. Dann kann man sich daran machen, den Tradingprozess auszuarbeiten und die einzelnen Arbeitsschritte festzulegen. Hieraus erhält man dann den Arbeits- und auch den Zeitaufwand.

Im Prinzip müssen folgende Arbeitsschritte untergebracht werden, wenn man Trading betreiben möchte: Recherche und Screening nach Setups, das Finden und Evaluieren von Einstiegen, die Positionseröffnung und das Managen der Trades (hierzu gehört auch das Schließen der Position), das Führen des Tradingjournals, die regelmäßige Auswertung des Tradingjournals, sowie die Pflege und Optimierung des Tradingsystems.

Diese Schritte gestalten sich bei unterschiedlichen Tradingsystemen unter Umständen völlig verschieden und beanspruchen auch unterschiedlich Zeit.

Unterschiedliche Tradingarten: Wieviel Zeit für welches System?

Im Folgenden werden nun ein paar Beispiele dazu vorgestellt, wie sich verschiedene Tradingansätze auch den erforderlichen Zeitaufwand auswirken.

Der Trendfolge-Trader, der Aktien auf Wochenbasis handelt

Ein Trendfolger, der mit Wochendaten arbeitet und tradet, kommt mit recht wenig Zeit aus. Er sucht neue Setups und Einstiege nur am Wochenende, weil er warten muss, bis die Börsenwoche vorüber ist. Er benutzt für die Auswahl interessanter Aktien eine Screeningsoftware, mit der er Aktienlisten nach seinen Kriterien automatisch durchsuchen lassen kann. Oder er verwendet eine Chartsoftware, die es erlaubt, schnell viele Charts durchzuschauen. Interessante Werte werden aussortiert und anschließend noch einmal im Detail untersucht. Dann hinterlegt der Trendfolge-Trader seine Kauforders, sowie gegebenenfalls direkt die Stopp-Loss Orders. Die entsprechenden Daten trägt er in sein Tradingjournal ein. Das war es auch schon.

Dieser Ablauf wiederholt sich jedes Wochenende. Orderausführung, also Käufe und auch Verkäufe, werden im Tradingjournal dokumentiert. In regelmäßigen Abständen wird das Journal dann ausgewertet, und der Gewinn/ Verlust ausgerechnet und vielleicht in einem Excel-Chart hinterlegt. Es gibt auch gute Tradingjournal-Software, die das Ganze noch etwas komfortabler macht.

Der Zeitaufwand eines Trendfolgers mit solchen Abläufen beträgt etwa 2 bis 4 Stunden die Woche.

Der kurzfristige Swingtrader, der Aktien auf Tagesbasis tradet

Das Traden auf Tagesbasis erfordert eine tägliche Beschäftigung mit der Börse. Unter der Woche wird aktiv gehandelt, am Wochenende erfolgt die Auswertung des Tradingjournals. Jeden Abend nach Börsenschluß (oder vorbörslich vor Eröffnung) sucht der Swingtrader interessante Einstiege. Auch er nutzt Screener oder eine übersichtliche Chartsoftware und scannt nach aussichtsreichen Setups.

Nutzt er einen Stopp-Loss, so muss der Trader eventuell täglich die Stopp-Loss Marken anpassen und die Verkaufsorders entsprechend übermitteln. Alternativ kann auch ein automatischer Trailing-Stopp zum Einsatz kommen.

Spätestens unmittelbar vor Börseneröffnung gibt er seine Orders ein, sowie gegebenenfalls bereits einen Stopp-Loss. Je nach Tradingsystem kontrolliert er während des Tages die Orderausführung und nimmt bei Bedarf Korrekturen an den Positionen vor. Das Schließen der Positionen läuft meist automatisch auf Basis der Stopp-Marken.

Der Zeitaufwand eines Aktien-Swingtraders auf Tagesbasis beträgt etwa 2 bis 6 Stunden die Woche.

Der langfristige Value-Investor

Der Value-Investor ist ausschließlich an einer langfristigen Geldanlage interessiert. Dies wirkt sich auf seine Trading-Häufigkeit und auch auf die zu investierende Tradingzeit aus. Er geht selten neue Trades ein und möchte, dass ein Trade möglichst lange läuft und sich entwickelt.

Der Value-Investor verwendet den Hauptteil seiner Tradingzeit für die Recherche und Analyse von Unternehmen und Aktien. Durch die intensive Beschäftigung mit der Entwicklung und dem Geschäftsmodell, den Bilanzen, Cash-Flow Rechnungen und Gewinn-Verlust Aufstellungen kommt er zu aussichtsreichen Aktien, die einen Trade nahelegen. Er ist geduldig und wartet auf ein günstiges Einstiegssignal im Chart und gibt dann seine Kauforders ein.

Das Trademanagement läuft meist ebenfalls langfristig, vielleicht im Wochen- oder sogar im Monatschart. Somit muss der langfristige Trader nur einmal wöchentlich, monatlich, oder sogar noch seltener in das Depot hineinschauen. Eventuell nutzt er automatische Stopp-Loss Orders, die greifen, wenn sich eine der Positionen deutlich negativ entwickelt.

Der Zeitaufwand eines langfristigen Value-Entwicklers beträgt für das Trading im Schnitt 1 bis 3 Stunden in der Woche. Gegebenenfalls erhöht er sich durch die Notwendigkeit einer intensiven Analyse deutlich.

Der Daytrader im 5-Minuten Chart

Der Daytrader ist während der Marktöffnungszeiten aktiv. Hier muss er fit und ohne Ablenkungen und Störungen sein. Er tradet unter Umständen 1 bis 5 Stunden am Tag. Hat er einen Hauptjob, so kann er sein Trading nur abends, am Forexmarkt vielleicht auch morgens vor der Arbeit, ausüben. Zu Beginn seines Handelstages muss er – je nach System – die aktuellen News prüfen, sowie die Chartsituationen seiner favorisierten Handelsinstrumente. Er nutzt eventuell unterschiedliche Zeitrahmen für seine Analyse und muss sich daher einen vollständigen Überblick über das aktuelle Marktgeschehen verschaffen.




Anschließend geht es an die Suche nach geeigneten Setups und Einstiegen. Da er in sehr kurzen Zeitrahmen handelt und die Schwankungen in solchen meist sehr hoch sind, muss er eigentlich die gesamte Tradingzeit am Rechner verbringen. Ist er abgelenkt und nicht am Platz, so kann ein Trade sehr schnell sehr schief laufen, wenn der Ausstieg verpasst wird.

Während oder zwicshen den laufenden Trades führt der Daytrader sein Tradingjournal, damit die große Menge an Trades, die sich in einer Handelswoche aufsummieren kann, im Nachhinein noch ordentlich ausgewertet werden kann. Hierfür nutzt er dann das Wochenende, oder die Zeit, in der er nicht handeln möchte.

Der Zeitaufwand eines Daytraders ist im Allgemeinen vergleichsweise hoch. Der 5-Minuten Daytrader widmet dem Trading vielleicht zwischen 5 und 20 Stunden die Woche, je nachdem, wie intensiv und wie oft er handelt.

Meine Erfahrungen zum Thema Zeitaufwand im Trading

Ich gehöre eigentlich der 2. Kategorie an, den kurzfristigen Swingtradern. Ich handle die NYSE100 – Aktien auf Tagesbasis. Ich widme meiner Trading-Tätigkeit am Tag morgens 15 Minuten, um neue EInstiege zu prüfen und die Orders aufzugeben. Das Tradingjournal führe ich abends nachbörslich, wenn ich weiß, wie die aktuellen Trades gelaufen sind. Ich nutze eine Backtesting-Software, die mein System kontinuierlich mitverfolgt. Sie enthält auch einen Screener, mit dem ich täglich die neuen Einstiegssignale erhalte.

Mich kostet das Trading in der Woche damit insgesamt etwa 2 bis 3 Stunden.

Fazit

Trading nimmt freie Zeit in Anspruch. So viel steht fest. Und diese muss man einbringen. Wieviel bist du bereit, in dein Trading zu investieren? Wieviel kannst du überhaupt investieren? Diese Überlegung wird signifikanten Einfluss auf die Art von Trading haben, die du für dich nutzen möchtest.

Wie viel Zeit ein Trader in Trading investieren muss, hängt sehr stark vom verwendeten System und vom genutzten Zeitrahmen ab. Schon bei der Entwicklung des eigenen Tradingsystems muss sich der Trader daher auch Gedanken über die verfügbare Zeit machen. Im allgemeinen gilt: Je langfristiger das Trading, desto weniger Zeit nimmt es in Anspruch. Mit der Zeit werden die Abläufe und Prozesse aber meist besser, fließender und einfacher, so dass der erforderliche Zeitaufwand langfristig eher sinken wird.